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Scheeßeler Amtsvogtei
Nach langer, wechselhafter Geschichte und Zeiten des Verfalls dient die Scheeßeler Amtsvogtei heute dem Energieversorger EWE als Scheeßeler Verwaltungszentrale und gehört somit zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten im Kernort der Gemeinde Scheeßel.

Um 1300 wurde das Stift Verden in die Ämter Rotenburg und Visselhövede aufgeteilt. Zu Verden gehörten die vier Gografschaften (Unterbezirke) Scheeßel, Schneverdingen, Neuenkirchen und Visselhövede. Bei solcher Machtfülle bestand auch die Gefahr des Machtmissbrauchs durch den Amtsvogt.

Es gab im Zeitraum von 300 Jahren zwei Amtsenthebungen nach heftigen Protesten aus der Bevökerung. An ihrer Spitze stand jeweils ein Gogref, zuständig für Verwaltung und niedere Gerichtsbarkeit. Später wurden dann die Begriffe Gografschaft und Gogref durch Amtsvogtei und Amtsvogt ersetzt.
Die Amtsvogtei hatte eine Fülle von Aufgaben, wie die niedere Gerichtsbarkeit, das Meldewesen, Gesundheits- und Gewerbeaufsicht, Überwachung der Militärpflicht, Kontrolle der Feuerstellen und Feuerwehr, Instandhaltung aller öffentlichen Einrichtungen, Polizeidienst und Bekanntgabe der Gesetze.

Bis 1839 war der Standort der Amtsvogtei unmittelbar hinter dem heutigen Rathaus und der Untervogthof stand auf dem heutigen Grund des Rathausparkplatzes. In dem genannten Jahr brannte der Vogteihof nieder. 1841 erwarb das Königreich Hannover ein neues Anwesen, die heutige Amtsvogtei.

1866 wurde aus dem Königreich Hannover preußische Provinz, das Amt erlosch. Bis 1882 war das Haus noch Wohnsitz des letzten Amtsvogtes. Das Haus ging wieder in Privatbesitz über. 1916 erwarb Adolf Haß das schöne Anwesen mit seinen gepflegten Gebäuden und seinem großen Park mitten im Ort.

1977 erwarb die Gemeinde Scheeßel den Besitz und 1993 kauften die Gemeindewerke das Anwesen. Die Amtsvogtei wurde aufwendig und liebevoll restauriert. Eine schwierige Aufgabe für den Architekten Werner Behrens und die Hanwerker. Aber es gelang hervorragend in Zusammenarbeit mit Denkmalschutzbehörden und Sanierungsexperten das Haus in neuem, alten Gesicht wieder darzustellen. Auch der Park wurde vollständig in seiner ursprünglichen Form erhalten und durch einen Bauerngarten am Gebäude ergänzt.

Die Gebäude stehen zu einem beträchtlichem Teil der Öffentlichkeit zur Verfügung. Für kulturelle Veranstaltungen, wie Ausstellungen, Konzerte, u.a. können beide Dielen, sowie der Sitzungssaal und eine 200 m² große Halle genutzt werden. Damit ist die Amtsvogtei nicht nur Verwaltung des Scheeßeler Energieversorgers EWE, sondern auch ein Ort der Begegnung für Bürgerinnen und Bürger Scheeßels geworden.
Quelle: Dr. G. Dietel, "Moderne Technik in einem Haus mit Tradition-GWS".