Startseite | Impressum | Sitemap | Datenschutz Start Geschichtliches Sonntag, 07. Juni 2020
















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Geschichte Scheeßels - ein Überblick


Die Besiedlung des Raumes Scheeßel reicht weit in die Vorgeschichte zurück. Steinzeitliche Gräber, die innerhalb der Gemeinde liegen, legen Zeugnis davon ab. Urkundlich wird ein Ort "Schesla" zusammen mit Bardowik, Magdeburg und Erfurt 805 im Diedenhofener Kapitular Karl des Großen erwähnt. Ob es sich bei diesem Ort um das heutige Scheeßel handeln sollte, war wissenschaftlich lange Zeit umstritten. Die Skeptiker suchten Schesla eher im Raum Hitzacker/Dannenberg und brachten den Namen mit dem Fluss Jeetzel in Verbindung. Die Scheeßeler verwiesen für sich zum einen auf eine Verdener Bischofsurkunde aus dem Jahre 1205, in der von Scheeßel als "scesle" die Rede ist, und zum anderen darauf, dass Scheeßel im Mittelalter nachweislich ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt gewesen sei, weil hier die Wümme in drei Furten überquert werden konnte. Heute besteht aufgrund von Indizien wohl kein Zweifel mehr daran, dass es sich  bei dem Ort "Schesla" nicht um das heutige Scheeßel gehandelt hat.
Dr. Wolf-Dieter Tempel, ehem. Kreisarchäologe führt in der Festschrift zur 1200-Jahr-Feier im Jahr 2005 aus: Auf Grund der Namenähnlichkeit mit dem im Kapitular genannten Marktort Schesla hat man immer wieder vermutet, dass damit unser Scheeßel gemeint war. Das ist jedoch höchst unwahrscheinlich. Denn der Marktort, von dem ein Handel zu den Slawen vor sich ging, muss zwischen Bardowick und Magedeburg gelegen haben. Bodenfunde aus karolingischer Zeit gibt es aus Scheeßel gar nicht. Ein Handelsplatz jener Zeit muss aber besonders deutliche und zahlreiche archäologische Objekte hinterlassen haben, wie es alle anderen von Karl dem Großen in derselben Urkunde genannten Orte beweisen. In Scheeßel und Umgebung haben immer Lehrer, der Ortschronist Hinrich Meyer und vor allem der Uhrmacher Reinhold Wedel sen. aufmerksam alle Erdaufschlüssse und Baugruben beobachtet. Dabei kamen Bodenfunde aus allen vorgeschichtlichen Zeitperioden zum Vorschein, doch keine Funde aus der Zeit Karls des Großen. Dagegen lässt sich anhand von großen Fundmengen ein bedeutender Handelsplatz dieser Zeit bei Hitzacker an der Elbe nachweisen. Dort allein kann das Schesla Karls des Großen gelegen haben, der auch auf dem Höhbeck bei Hitzacker eine Burg errichtete.
Wir haben dennoch berechtigte Gründe, die Zeit Karls des Großen als Beginn unseres mittelalterlichen Dorfes anzunehmen und jetzt nach 1200 Jahren zu feiern. Die frühe Namensform, die Lage an alten Fernverkehrswegen und die Tatsache, dass Scheeßel als sogeneanntes Archidiakonat ein alte bevorrechtigte Kirche besaß, sprechen für eine Siedlung, die schon in der Zeit Karls des Großen bestand oder gegründet wurde. Das Alter Scheeßels ist deshalb kaum zu bezweifeln. Die Urkunde (Capitular) von 805 bezieht sich jedoch nicht auf unseren Ort. Das frühe mittelalterliche Scheeßel war ein Bauerndorf, in dem auf Grund seiner günstigen Verkehrslage eine der frühesten Kirchen unseres Raumes entstand.

Gesichert ist, dass Scheeßel 1205 als Archidiakonat und noch im 13. Jahrhundert als Gografschaft des Bistums Verden genannt wird. Weitere wesentliche Nachrichten aus dem Mittelalter gibt es nicht.

Spät erst setzt sich nach 1567 unter Bischof Eberhard von Holle die Reformation in unserer Region durch. Die Rekatholisierungsversuche während des 30-jährigen Krieges sind vergeblich. Scheeßel ist bis heute fast rein protestantisch. Von kriegerischen Auseinandersetzungen und Seuchen, die ganze Landstriche Deutschlands verwüsteten und entvölkerten, blieb unsere Heimat fast völlig verschont.1626 allerdings brannten Kirche, Pfarrhaus, Mühle und einige Häuser ab.

Mit dem Westfälischen Frieden von 1648 gingen die Herzogtümer Bremen und Verden und damit Scheeßel an Schweden und verblieben dort, bis sie im Nordischen Krieg, nach einer kurzen dänischen Herrschaft, im Jahre 1719 an das Kurfürstentum Hannover fielen, das sich bereits seit 1714 in Personalunion mit Großbritannien befand. So war der oberste Landesherr der Scheeßeler Bevölkerung bis 1837 der König von Großbritannien.

Stärker als der 30-jährige zog der Siebenjährige Krieg unsere Region in Mitleidenschaft. Marodierende französische Truppen waren dafür verantwortlich. Der Rotenburger Amtmann von Haerlem fasst die Folgen 1757 für die Bevölkerung so zusammen: "Es sind die hiesigen Amtsunterthanen auf viele Jahre totaliter ruinieret."

Nach 50 Jahren Frieden sind es erneut die Franzosen, die unter Napoleon die Verhältnisse nicht nur bei uns, sondern in ganz Deutschland und Europa kräftig durcheinander bringen. Von 1810 - 1813 gehört Scheeßel im Kanton Tostedt zum Departement Elbemündung und ist damit Teil Frankreichs. Die Aufzeichnungen Pastor Ungewitters vermitteln ein anschauliches Bild dieser bewegten Zeit, in der auch die Trasse für die heutige B 75 durch Napoleon gelegt wurde.

Auf dem Wiener Kongress 1814/15 werden die territorialen Verhältnisse Deutschlands und Europas nach dem Sieg über Napoleon neu geordnet. Scheeßel wird Teil des wiederhergestellten Kurfürstentums Hannover, das zum Königreich Hannover aufgewertet wird. Umfangreiche soziale und wirtschaftliche Veränderungen vollziehen sich in den nächsten Jahrzehnten: Gewerbefreiheit, Gemeinheitsteilungen, Verkoppelungen und die endgültige Ablösung grundherrlicher Pflichten sind die Stichworte.

1866 wird das Königreich Hannover nach dem preußisch-österreichischen Krieg, in dem Hannover auf österreichischer Seite kämpfte, preußische Provinz. Scheeßel wird erfasst von der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung des Deutschen Kaiserreiches. 1874 wird es an die Bahnlinie Hamburg-Bremen angeschlossen, 1876 gründen Scheeßeler Bürger eine bis heute bestehende Sparkasse, Ende des Jahrhunderts schließen sich die Bauern zu einer Molkereigenossenschaft zusammen. Weitsichtige Scheeßeler Bürger erkennen aber auch, dass rasche wirtschaftliche Veränderungen gewachsene Traditionen gefährden können. Trachtenfeste (1904) und Heimatverein (1905) verdanken sich dieser Erkenntnis.

Nach dem Ersten Weltkrieg und in der Weimarer Republik ist es in Scheeßel so wie andernorts auch: Die Menschen tun sich schwer mit der demokratischen Staatsform, die ihnen fremd ist und die ihnen wirtschaftlich schwerere Zeiten als im Kaiserreich bringen. Bereits in den Juliwahlen 1932 ist die NSDAP im Kirchspiel Scheeßel die mit Abstand stärkste Partei. Die Machtergreifung der Nazis vollzieht sich problemlos, das Leben in Scheeßel wird gleichgeschaltet. Ein anschauliches Bild dieser Zeit vermittelt Volksschulrektor Karl Borchers, in der von ihm zu führenden Schulchronik.

Der Zweite Weltkrieg hat Scheeßel und seine Dörfer weitestgehend verschont. Nur in Wohlsdorf gab es im April 1945 heftige Kämpfe, die zahlreiche Höfe in Mitleidenschaft zogen. Die Veränderungen durch den Krieg spürte die bäuerliche Bevölkerung, wenn man von den vielen gefallenen Männern und Söhnen absieht, im Grunde genommen erst nach dem Krieg, denn genug zu essen gab es in der Regel. Mit Ende des Krieges und danach aber verdoppelte sich die Bevölkerungszahl durch Flüchtlinge aus den Ostgebieten und Aus-gebombte aus großen Städten.

Was kennzeichnet die Entwicklung Scheeßels in der Bundesrepublik Deutschland? Zahlreiche Neubürger waren und sind bis heute zu integrieren. Das lief und läuft auch heute nicht immer problemlos. Nach dem Krieg waren es die Menschen aus den Ostgebieten, später Flüchtlinge aus der DDR und Deutsche aus der ehemaligen Sowjetunion, permanent sind es Zugezogene aus den benachbarten Großstädten. Scheeßels Bevölkerungszahl ist stets gewachsen. Sollen sich die Menschen wohl fühlen in Scheeßel, dann bedarf es einer attraktiven Infrastruktur. Mit zwei Grundschulen und einer Oberschule sowie dem 1947 von Bürgern Scheeßels gegründeten privaten Gymnasium Eichenschule werden alle allgemeinbildenden Schulen vorgehalten. Freibad, Sporthallen und ein schmuckes Stadion bieten vielseitige Möglichkeiten der Freizeitgestaltung und der sportlichen Betätigung. Der Eichenring ist Anziehungspunkt für Motorradfans und für zehntausende junger Leute zum jährlichen "Hurricane" - Open Air.

Trotz der Bemühungen der Gemeinde Scheeßel, Gewerbe und Industrie anzusiedeln, können Arbeitsplätze innerhalb der Gemeinde nicht in ausreichender Zahl vorgehalten werden. Viele Bürger pendeln dank der günstigen Verkehrsanbindung Scheeßels problemlos nach Rotenburg, Hamburg und Bremen. Vor diesem Hintergrund ist es umso wichtiger örtliche Identitäten zu pflegen, damit Scheeßel nicht zu einer Schlafstadt wird. Deshalb ist die Tätigkeit der Vereine, das schulische Leben, sind die Trachtenfeste, der Meyerhof mit Kunstgewerbehaus, das Heimatmuseum oder die Kirche von zentraler Bedeutung für die Lebensqualität in Scheeßel.

Verwaltungsmäßig ist Scheeßel seit 1974 eine Einheitsgemeinde, zu der der Kernort Scheeßel und zehn weitere Ortschaften zählen. Seit 2001 steht mit Frau Käthe Dittmer-Scheele eine hauptamtliche Bürgermeisterin an der Spitze der Verwaltung und ist Repräsentantin unserer Gemeinde. Zusammen mit dem Rat ist sie zuständig für die Belange der Gemeinde.
 


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